Prisma

Methodik

Wer über Bias urteilt, muss selbst transparent sein. Unsere Einordnung deutschsprachiger Medien folgt einer fünfstufigen Skala (Links · Mitte-links · Mitte · Mitte-rechts · Rechts) und bewertet die redaktionelle Gesamtausrichtung: Themenauswahl, Kommentarlinie und Framing-Muster — nicht einzelne Artikel. Für einzelne Artikel kommt eine KI-gestützte Framing-Analyse hinzu (in Arbeit). Jede Einordnung ist hier öffentlich einsehbar und wird mit Begründung versioniert.

Faktentreue-Konfidenz (0–100) — wie sie zustande kommt

Die Konfidenz sagt: Wie belastbar sind Tatsachenbehauptungen dieser Quelle? Sie ist unabhängig vom Bias — eine Quelle kann klar links oder rechts stehen und trotzdem sauber arbeiten (und umgekehrt). Der Wert setzt sich aus vier Teilwerten à 0–25 Punkten zusammen, jeder an einer beobachtbaren, überprüfbaren Evidenz festgemacht:

K1 · Korrekturkultur

Werden Fehler sichtbar korrigiert? Gibt es eine Korrekturseite / Transparenzhinweise am Artikel?

K2 · Quellentransparenz

Werden Belege verlinkt, Agenturmaterial gekennzeichnet, Primärquellen benannt?

K3 · Externe Prüfbilanz

Presserat-Rügen, verlorene Gegendarstellungen/Unterlassungen, Treffer in Faktenchecks.

K4 · Trennung Nachricht/Meinung

Sind Kommentar und Bericht klar getrennt? Wie stark färbt Framing die Nachricht?

Rechenbeispiel: Eine Quelle mit sichtbarer Korrekturseite (K1 22), verlinkten Belegen und Agentur-Kennzeichnung (K2 21), ohne aktuelle Presserat-Rügen (K3 22) und mit sauberer Kommentar-Kennzeichnung (K4 20) erhält 85/100. Die Teilwerte sind nachvollziehbar, nicht gegriffen.

Was diese Zahl ist — und was nicht (ehrlich)

Die Konfidenz ist eine nachvollziehbar begründete Einschätzung entlang der vier Kriterien — kein physikalischer Messwert. Sie erhebt nicht den Anspruch objektiver Wahrheit, sondern den Anspruch, überprüfbar und korrigierbar zu sein. Genau das macht sie belastbar statt angreifbar:

  • Jeder Teilwert ist an eine öffentlich prüfbare Evidenz gebunden (z. B. das Presserat-Rügenarchiv), nicht an ein Bauchgefühl.
  • Jede Einstufung wird versioniert und begründet; Änderungen bleiben nachvollziehbar.
  • Verlage erhalten ein Einspruchsverfahren — wer eine Bewertung für falsch hält, kann sie mit Belegen anfechten.
  • Wo die Beleglage dünn ist, sagen wir das offen, statt Präzision vorzutäuschen.

Ausbaustufe: Presserat-Rügenarchiv, Korrektur-Tracking und Faktencheck-Abgleich fließen dann automatisiert und laufendin den Score ein — damit aus der begründeten Ersteinschätzung eine belegte, fortgeschriebene Konfidenz wird. Schwellen: ≥ 75 = Hoch, 50–74 = Mittel, < 50 = Gering.

Medienregister (78 Quellen)

MediumEinordnungKonfidenzTypEigentümer
taz DELinks
78
saubere Belege & Korrekturkultur; klare Haltung, aber gekennzeichnet
Tageszeitungtaz VerlagsgenossenschaftGenossenschaft mit ~23.000 Mitgliedern
Libération FRLinks
72
TageszeitungPresse Indépendante SAS (Kretinsky-Umfeld)
der Freitag DELinks
62
WochenzeitungJakob Augstein
nd (neues deutschland) DELinks
60
Tageszeitungnd.Genossenschaft
Jacobin (DE) DELinks
58
MagazinBrumaire Verlag
junge Welt DELinks
55
TageszeitungLPG junge Welt eG
Telepolis DELinks
55
OnlineHeise Medien
MSNBC USLinks
55
TVComcast/NBCUniversal
Volksverpetzer DELinks
52
belegt viel, aber aktivistisches Framing dominiert
OnlineQUUS gGmbH
HuffPost USLinks
52
OnlineBuzzFeed Inc.
NachDenkSeiten DELinks
38
Meinung und Nachricht stark vermischt, selektive Quellenwahl
OnlineIQM e.V.
NPR USMitte-links
86
ÖRRnon-profit, Mitgliedssender
Süddeutsche Zeitung DEMitte-links
84
TageszeitungSWMHSüdwestdeutsche Medienholding
The New York Times USMitte-links
84
TageszeitungThe New York Times CompanyFamilie Ochs-Sulzberger (Stimmrechtsmehrheit)
Le Monde FRMitte-links
84
TageszeitungGroupe Le Mondeu. a. Niel/Pigasse; Redaktionsstatut
Die Zeit DEMitte-links
83
WochenzeitungHoltzbrinck / DvH Medien
Der Spiegel DEMitte-links
82
starke Dokumentation (trotz Relotius-Vorgeschichte: Konsequenzen & Prüfprozesse)
MagazinSpiegel-Verlag50,5 % Mitarbeiter-KG, 25,5 % Bertelsmann
The Washington Post USMitte-links
82
TageszeitungJeff Bezos (Nash Holdings)
The Guardian UKMitte-links
82
TageszeitungScott Trust (Stiftung)
Der Tagesspiegel DEMitte-links
80
TageszeitungDvH Medien
CORRECTIV DEMitte-links
80
investigativ, methodisch dokumentiert; Einordnungen tw. umstritten
OnlineCORRECTIV gGmbHgemeinnützig, spendenfinanziert
Der Standard ATMitte-links
80
TageszeitungSTANDARD Medien AG
netzpolitik.org DEMitte-links
78
Primärquellen & Dokumente, klare Kennzeichnung von Kommentaren
Onlinenetzpolitik.org e.V.spendenfinanziert
RND DEMitte-links
76
OnlineMadsack MediengruppeRedaktionsNetzwerk Deutschland
Frankfurter Rundschau DEMitte-links
68
TageszeitungIppen-Gruppe
The Independent UKMitte-links
68
OnlineLebedev/Sultan Muhammad Abuljadayel
CNN USMitte-links
66
TVWarner Bros. Discovery
stern DEMitte-links
65
MagazinRTL Deutschland (Bertelsmann)
Berliner Zeitung DEMitte-links
63
TageszeitungHolger & Silke Friedrich
watson (CH) CHMitte-links
60
OnlineCH Media
dpa DEMitte
90
Nachrichtenagentur: Verifikation ist Kerngeschäft
Agenturdpa GmbHGesellschafter: ~170 deutsche Medienunternehmen
tagesschau (ARD) DEMitte
88
Agenturstandards, sichtbare Korrekturen, hohe Prüfdichte
ÖRRARDöffentlich-rechtlich, beitragsfinanziert
Deutschlandfunk DEMitte
88
ÖRRDeutschlandradio
SRF News CHMitte
88
ÖRRSRG SSR
ZDF heute DEMitte
87
ÖRRZDFöffentlich-rechtlich, beitragsfinanziert
BBC News UKMitte
86
ÖRRBBC (Royal Charter, Gebühren)
BR24 DEMitte
84
ÖRRBayerischer Rundfunk
NDR DEMitte
84
ÖRRNorddeutscher Rundfunk
ORF ATMitte
84
ÖRRORF
MDR aktuell DEMitte
82
ÖRRMitteldeutscher Rundfunk
Handelsblatt DEMitte
82
TageszeitungDvH Medien
heise online DEMitte
82
OnlineHeise Medien
Golem.de DEMitte
80
OnlineGolem Media GmbH
France 24 FRMitte
80
ÖRRFrance Médias Monde
Politico USMitte
78
OnlineAxel Springer SE
ntv DEMitte
76
TVRTL Deutschland (Bertelsmann)
Sky News UKMitte
76
TVComcast
The Hill USMitte
74
OnlineNexstar Media
RP Online DEMitte
68
TageszeitungRheinische Post Mediengruppe
t-online DEMitte
66
OnlineStröer SE
20 Minuten CHMitte
58
OnlineTX Group
Blick CHMitte
45
Boulevard: Tempo vor Prüfung, Emotionalisierung
OnlineRingier AGBoulevard
FAZ DEMitte-rechts
84
TageszeitungFAZIT-Stiftung
NZZ CHMitte-rechts
84
TageszeitungNZZ-Mediengruppe
The Wall Street Journal USMitte-rechts
84
TageszeitungNews Corp (Murdoch)
Die Presse ATMitte-rechts
80
TageszeitungStyria Media Group
WirtschaftsWoche DEMitte-rechts
78
MagazinDvH Medien
Le Figaro FRMitte-rechts
78
TageszeitungGroupe Dassault
Le Point FRMitte-rechts
70
MagazinGroupe Artémis (Pinault)
The Telegraph UKMitte-rechts
68
TageszeitungRedBird IMI (Umstrukturierung)
Die Welt DEMitte-rechts
65
solide Recherche, aber zunehmende Meinungs-/Nachrichten-Vermischung
TageszeitungAxel Springer SEGroßaktionär: KKR (US-Finanzinvestor)
Cicero DEMitte-rechts
62
MagazinRes Publica Verlag
National Review USMitte-rechts
62
MagazinNational Review Institute
Focus DEMitte-rechts
60
MagazinHubert Burda Media
Münchner Merkur DEMitte-rechts
60
TageszeitungIppen-Gruppe
Kronen Zeitung ATMitte-rechts
35
Boulevard mit hoher Rügen-/Beschwerdequote (AT-Presserat)
TageszeitungKrone MultimediaBoulevard
Apollo News DERechts
48
OnlineApollo News UG
Valeurs actuelles FRRechts
42
MagazinIskandar Safa (Erben)
Tichys Einblick DERechts
40
OnlineTichys Einblick GmbH
Die Weltwoche CHRechts
40
WochenzeitungRoger Köppel
Fox News USRechts
40
Dominion-Vergleich 2023 (787 Mio. $) wegen wissentlich falscher Wahlbehauptungen
TVFox Corporation (Murdoch)
Junge Freiheit DERechts
38
WochenzeitungJunge Freiheit Verlag
BILD DERechts
35
meiste Presserat-Rügen aller deutschen Medien, Kampagnenjournalismus
TageszeitungAxel Springer SEGroßaktionär: KKR (US-Finanzinvestor)
Achgut (Achse des Guten) DERechts
35
OnlineAchgut.com GmbH
Daily Mail UKRechts
35
meiste IPSO-Beschwerden, Boulevard
TageszeitungDMGT (Lord Rothermere)
NIUS DERechts
30
mehrere presserechtliche Niederlagen, Kampagnenformat
OnlineVius SE & Co. KGaAHauptinvestor: Frank Gotthardt
Epoch Times (DE) DERechts
28
wiederholt Falschmeldungen in Faktenchecks, intransparente Struktur
OnlineEpoch Times Europe GmbH
Breitbart USRechts
28
OnlineBreitbart News Network

Diese Erstversion des Registers ist ein redaktioneller Startpunkt, kein Endurteil. Jede Änderung wird künftig versioniert und begründet; Verlage erhalten ein Einspruchsverfahren.

Grenzen — und wie wir damit umgehen

Ein Medium ist nicht monolithisch. Ein Haus wie ZDF, FAZ oder taz besteht aus vielen Redaktionen, Sendungen und Autoren mit unterschiedlichen Handschriften. Wenn eine einzelne Person zuspitzt, heißt das nicht „das ganze Medium ist so". Genau diese Verwechslung wollen wir vermeiden. Deshalb trennen wir zwei Ebenen sauber:

  • Medien-Ebene (das Register hier): Wir bewerten die redaktionelle Gesamttendenz über viele Beiträge hinweg — Themenauswahl, Kommentarlinie, Framing-Muster. Nie ein Urteil über einzelne Personen.
  • Beitrags-Ebene (die Artikel-Analyse): Jeder einzelne Text wird für sich geprüft — und zuerst nach Textsorte eingeordnet. Ein gekennzeichneter Kommentar darf wertend sein; das ist seine legitime Form, kein Mangel und kein Beleg gegen das ganze Haus. Nur an Berichten messen wir Ausgewogenheit.

Öffentlich-rechtlich vs. privat. Wir kennzeichnen, ob eine Quelle gebührenfinanzierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk (mit gesetzlichem Neutralitätsauftrag) oder ein privatwirtschaftliches Medium (mit Eigentümern und wirtschaftlichen Interessen) ist — und stellen beide bei jeder Story gegenüber. So wird sichtbar, ob beide dasselbe Bild zeichnen oder auseinandergehen.

Podcasts bewerten wir bewusst anders. Ein Podcast lebt von einer Person, nicht von einer Redaktion — und beanspruchte Neutralität („neutral wie die Schweiz") ist selbst noch kein Beweis. Deshalb kleben wir dort kein vorschnelles „links/rechts" an, sondern führen mit beobachtbaren Signalen: Legt der Host die eigene Haltung offen? Kommen Gäste aus verschiedenen Lagern zu Wort? Wird allen gleich kritisch begegnet? Ist Fakt von Meinung getrennt? Eine politische Tendenz vergeben wir nur, wo sich ein Podcast selbst klar verortet — sonst bleibt sie offen. Mehr dazu unter Podcasts.

Diese Trennung löst die Herausforderung nicht vollständig — sie macht sie transparent. Das ist uns lieber als eine scheingenaue Zahl, die so tut, als wäre ein ganzes Medienhaus (oder ein ganzer Podcast) auf einen Wert reduzierbar.